Den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft mit modernen Konzepten begegnen

11 Mrz
2019


SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach diskutierte in Kall


Kreis Euskirchen. In Deutschland werden immer mehr Menschen immer älter. Besonders den ländlichen Raum mit dünneren Versorgungsnetzwerken stellt diese Tatsache vor große Herausforderungen. Grund genug für die SPD im Kreis Euskirchen, die Zukunft der Pflege in den Fokus zu rücken. Wie können wir dem Anstieg an pflegebedürftigen Menschen gerecht werden? Können ältere Menschen in Zukunft noch angemessen gepflegt und betreut werden? Wie können die Jobs in der Altenpflege attraktiver gestaltet werden? Mit diesen Fragen befasste sich die Podiumsdiskussion, zu der die Kreis-SPD den Gesundheitsexperten und Stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Prof. Dr. Karl Lauterbach in Kall begrüßen durfte.  „Als die Pflegeversicherung 1995 eingeführt wurde, waren ein Drittel aller Pflegebedürftigen an Demenz erkrankt. Fast 25 Jahre später sind es mehr als drei Viertel der Pflegebedürftigen. Diese Vergleichszahlen zeigen, dass wir uns mit den veränderten Anforderungen der Pflegebedürftigen befassen müssen, wenn wir abschätzen wollen, welchen Pflegebedarf es heute und in Zukunft in Deutschland gibt.“ so Lauterbach.

Karl Lauterbach, der von Beruf Mediziner ist und mehrere Jahre in leitender Position am Universitätsklinikum Köln tätig war, weiß, wovon er spricht. „Mit den heutigen Möglichkeiten der Medizin können wir rund 90% der Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern“ verdeutlichte er und ging dann auf den prognostizierten Anstieg der Pflegebedürftigen ein. In den kommenden 20 Jahren steige die Zahl der Pflegebedürftigen um 50% an. Schon heute gäbe es für die knapp 3 Millionen Pflegebedürftigen zu wenig Pflegekräfte. „Die große Koalition hat zum Jahresbeginn 2019 das Pflegepersonalstärkungsgesetz in Kraft treten lassen, das die Schaffung von 13.000 Stellen im Pflegebereich vorsieht, finanziert aus den Mitteln der gesetzlichen

Krankenversicherung“. Durch bessere Zusammenarbeit zwischen den Ärzten vor Ort und den ansässigen Pflegeeinrichtungen sollen Pflegekräfte entlastet werden und die Qualität der Pflege steigen. „Außerdem haben wir in den Koalitionsvertrag aufgenommen, dass Pflegekräfte künftig besser bezahlt werden sollen. Tarifverträge sollen flächendeckend zur Anwendung kommen, die Wegezeiten sollen besser honoriert werden und der Mindestlohn in der Pflege soll zwischen Ost und West angeglichen werden“ schilderte Lauterbach. Auch sei eine Ausbildungsoffensive geplant, mit der ein ausreichender Nachwuchs an Fachkräften sichergestellt werden solle.

Dass die Ausbildung in Pflegeberufen dringend verstärkt werden müsse, forderte auch der Landrat des Kreises Euskirchen, Günter Rosenke, der ebenfalls auf dem Podium der Veranstaltung saß: „Wir müssen mehr junge Leute aus unserem Kreis Euskirchen für den Pflegeberuf begeistern. Dazu möchte ich eine Pflegeschule im Kreis Euskirchen ansiedeln, möglichst angekoppelt an ein bestehendes Berufskolleg“ so Rosenke.

Malte Duisberg, Geschäftsführer der Stiftung Evangelische Alten- und Pflegeheime, begrüßte diese Planungen: „Ich muss für meine Häuser sicherstellen, dass junges und motiviertes Personal nachwächst, wenn dort auch in Zukunft Menschen angemessen betreut und gepflegt werden sollen“.

Arndt Kohn, SPD-Europaabgeordneter für das Rheinland, prognostizierte größere Veränderungen im Pflegebereich: „Wenn wir nach Großbritannien schauen, das vor dem Austritt aus der Europäischen Union steht, sehen wir, dass dort nun viele ausländische Pflegekräfte abwandern. Die Briten werden dann vor dem Problem stehen, zu wenig Fachpersonal für die Pflege zu haben. Die Pflegeberufe sind höchst wertvolle Berufe, die in unserer Gesellschaft immer stärker gebraucht werden“ betonte Kohn.

Der SPD-Kreisvorsitzende Markus Ramers stellte in einem abschließenden Fazit fest: „Das Thema Pflege ist auf allen Ebenen in den Fokus gerückt. Das macht mir Mut. Mehr Personal, bessere Bezahlung und auch mehr Ausbildung von Pflegekräften bei uns im Kreis – das ist der richtige Weg.“

Vor der Diskussionsrunde in den Räumen der ene in Kall hatte sich Karl Lauterbach die Zeit genommen, gemeinsam mit Markus Ramers, Emmanuel Kunz (SPD-Kreistagsmitglied für Kall), Karl Vermöhlen (Kreistagsmitglied und stellv. Bürgermeister in Kall) und Arndt Kohn MdEP das Pflegewohnhaus in Kall, das durch die Stiftung der evangelischen Alten- und Pflegeheime geführt wird, zu besuchen, um einen Eindruck von der Pflege in der ländlich geprägten Eifel zu bekommen. Seit dem Jahr 2011 wird das Pflegewohnhaus nach dem Wohngruppenkonzept betrieben. Es werden zwei Wohngruppen für zehn pflegebedürftige Menschen angeboten. Mittelpunkt des Hauses ist ein offener Wohn- und Essraum, an den alle bewohnten Zimmer angeschlossen sind und wo auch gemeinsam gekocht werden kann. „Wir legen im Pflegewohnhaus großen Wert auf die aktive Einbindung der Bewohnerinnen und Bewohner, entsprechend ihrer Möglichkeiten. Sie sollen sich möglichst wie in ihrem früheren Zuhause fühlen“ so Geschäftsführer Malte Duisberg.

Foto: Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion: Malte Duisberg, Landrat Günter Rosenke, Prof. Karl Lauterbach MdB, Arndt Kohn MdEP, Karl Vermöhlen (Moderator) und der SPD-Kreisvorsitzende Markus Ramers (v.l.n.r.)

SPD Kreis Euskirchen
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