Auf der Suche nach Stolperfallen

04 Feb
2013

Eine ganze Reihe von Stolperfallen "pflastert" einen Gehweg der Eupener Straße. Leo Pelzer hat sie markiert. (Bild: Klein) Ratsherr Leo Pelzer nahm die Straßen und Gehwege seines Viertels unter die LupeEUSKIRCHEN. Der SPD-Stadtverordnete Leo Pelzer ist seit 34 Jahren Mitglied des Stadtrats. Alle Fraktionen kennen ihn als gewissenhaften und aufmerksamen Ratsherrn. Und was Leo Pelzer zurzeit auf den Gehwegen und Straßen der Stadt sieht, bereitet ihm Kopfzerbrechen: Er spricht von verschobenen Trottoir-Platten, die nach dem strengen Frost der vergangenen Wochen als Stolperfallen teilweise zentimeterhoch aus dem Gehweg-Niveau herausragen.Er ist in Sorge, dass Passanten stürzen und sich verletzen könnten. Um der Stadt, die nach eigenem Bekunden sukzessive ihre Straßen und Gehwege kontrolliert, zuzuarbeiten und für schnelle Abhilfe zu sorgen, machte sich Pelzer jetzt selbst zu einer "Schadens-Bestandsaufnahme" auf den Weg durch "sein" Wohngebiet im Euskirchener Westen. Immerhin sind dort zwei Schulen, zwei Kindergärten, ein Kleingewerbe-Gebiet, ein Supermarkt und die Umgebung des Euskirchener Zentral-Friedhofs angesiedelt. "Eine Gegend, die sich eine derartige Gefährdung auf den Gehwegen nicht leisten kann", sagt der Stadtverordnete.Die gravierendsten, rund ein Dutzend vorgefundenen Gehweg-Stolperfallen markierte Pelzer mit gelber Ölkreide. Ebenfalls gekennzeichnet wurden von ihm abgesackte Kanaleinläufe und zentimeterbreit klaffende Fahrbahnschäden. Besonders viele Schadstellen gab es auf der Fahrtroute des Stadtbusses. Jahrzehntelang seien grundlegende Fahrbahnreparaturen vernachlässigt worden. Jetzt habe das "Flick-Werk" dazu geführt, dass letztendlich die Straßen und Gehwege vielerorts neu aufgebaut werden müssten, moniert Leo Pelzer. Der städtische Haushaltsansatz für 2013 sehe dafür 360 000 Euro vor, die für Arbeiten durch Fremdfirmen mit schwerem Gerät vorgesehen seien. 230 000 Euro seien für Straßenarbeiten durch den städtischen Bauhof vorgesehen. "Bei der aktuellen Schadenslage wird dieses Geld nicht ausreichen", ist Pelzer sicher.Rund 500 Kilometer Gehwege zu pflegenDie Stadt Euskirchen habe geschätzte 500 Kilometer Gehwege zu pflegen und zu unterhalten. Die genaue Zahl sei nicht erfasst, erklärte Pressesprecherin Silke Winter. Deren Zustand werde regelmäßig von Streckenposten kontrolliert. Seit Wochenfrist seien – nach Dauerfrost und Abtauen des Schneedecke – Gehwegschäden sichtbar geworden. Im Untergrund befindliche, gefrorene Feuchtigkeit habe die Platten hochgedrückt.Die Stadt habe an neuralgischen Punkten Absperrungen aufgestellt. Davon stehe zurzeit keine einzige mehr. Die Schäden, so die Pressesprecherin, seien unverzüglich repariert worden. Und so werde auch weiter verfahren. Im Übrigen sei zu erwarten, dass nach dem Abtauen die Gehwegplatten wieder in ihre reguläre Position absackten.Wie man sich verhalten soll, wenn man über eine "Gehweg-Stolperfalle" stürzt und sich verletzt, erläuterte der Euskirchener Rechtsanwalt Peter Heimbach. "Es ist geraten, Zeugen des Sturzes zu benennen", sagt der Jurist. Außerdem sollte der Unfall-Ort dokumentiert werden; am besten durch ein Foto, etwa mit Hilfe eines mitgeführten Handys. Letztendlich könne man die Polizei benachrichtigen. Allerdings, so Heimbach, müsse bei Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen stets nachgewiesen werden, dass es sich bei dem Unfallort um eine reale Gefahrenstelle gehandelt habe.Im Fall der "Gehweg-Stolperfalle" müsse die Gehweg-Platte, die einen zu Fall gebracht habe, mindestens zwei Zentimeter über das normale Niveau hinausragen. Ansonsten handele es sich um einen vertretbaren "Normalfall", bei dem der Stadt sei keine "Verletzung der Verkehrssicherungspflicht" anzulasten sei.Aber nicht nur die offensichtlichen Schäden an den Gehwegen stachen Leo Pelzer bei seinem Rundgang ins Auge. Auch die Straßenbeläge seien "enorm in Mitleidenschaft gezogen". Das zeigten Risse, die die gesamte Fahrbahnbreite überzögen. "Nach erfolgter Erhöhung der Gewerbe- oder der Hundesteuer sollte schon bald genug Geld in der Stadtkasse sein, um die gröbsten Straßen- und Gehwegschäden zu beheben", hofft Leo Pelzer.Bei der Reparatur allerdings "in "Patchwork-Manier" nur auszuflicken, lohne nicht, meint der SPD-Mann. Auf Euskirchens städtischen Straßen sei zukünftig notgedrungen eine "General-Sanierung" angesagt. "Eine zweite und dritte Frostperiode überleben viele Straßen nicht", ist Leo Pelzer sicher.

SPD im Kreis Euskirchen
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